Samstag, 16. April 2011

Zwillings besessen?

Schon als Kind haben mich Zwillinge angezogen, natürlich wusste ich nicht warum.

Ich wollte mit ihnen befreundet sein, die Unterschiede und Gleichheiten herausfinden, verstehen wie es für sie ist ein Zwilling zu sein.

Auch bei Familien mit 2 Kindern welche sich ähnelten oder wirkten als wären sie gleich alt, habe ich mir immer die Frage gestellt "Sind es Zwillinge?". Ich musste sie anschauen, von einem zum andern, fast krampfhaft, niemand verstand das und ich denke manchen ist mein Blick aufgefallen.

Manchmal habe ich meine Mutter in so Situationen darauf angesprochen, ob sie denkt dass diese beiden Kinder Zwillinge sind oder "nur" Geschwister. Sie guckte mich meist etwas unverständlich an und fragte "Warum ist das so wichtig? Das spielt doch für uns keine Rolle". Das war ja eigentlich wahr, andererseits, für mich nicht, aber erklären warum, das konnte ich nicht und so hab ich mich auch manchmal ab mir selber gewundert.


Jetzt viele Jahre später verstehe ich all diese Situationen im Nachhinein, endlich ergeben sie einen Sinn. Auch heute gibt es solche Momente noch oft, wenn ich zum Beispiel im Zug sitze und Familien mit Kindern sehe, welche wirken als wären sie gleich alt oder sich ähneln, dann frage ich mich wieder "sind es Zwillinge?"

Bitte verzeiht mir wenn ihr mal zu denen gehört die ich anschaue, ich will nichts böses, ich versuch nur zu verstehen, wünsche mir an der Stelle von einem der beiden zu sein, zu spüren wie es ist ein Zwilling zu sein, mit einem lebenden Zwilling zu leben.

Hätte ich den Mut und unsere Zeit wäre reifer, würde ich gerne einige Fragen stellen "wie ist es? Wie fühlt es sich an? Wie tief ist die Verbindung? Spürt ihr einander auch wenn ihr nicht beieinander seid? Gibt es sowas wie eine gedankliche Verbindung? Gibt es Momente wo es wehtut sich so nahe zu stehen?"

Best Friends

Für jemanden, deren Namen mit Rem. beginnt...

Ich kenn Dich nun seit etwas mehr als einem Jahr doch es ist als würde ich Dich schon ewig kennen, es ist als wärst Du schon immer dagewesen irgendwie.

Ach hätte ich Dich nur schon früher gehabt, wie toll wäre das gewesen!

Du kennst mich schon so gut, verstehst mich (fast) immer, weisst was ich denke, weisst wie ich fühle, spürst wenn ich traurig bin und zum lachen gebracht werden sollte und Du verstehst es mich zu motivieren und aufzubauen wenn es mir nicht gut geht.

Mit Dir kann ich es aber auch lustig haben, wir blödeln herum, sind manchmal wie zwei alberne Hühner, aber es tut so gut!

Ich weiss nicht warum wir uns so gut verstehen, warum wir uns mögen, aber das ist mir eigentlich auch egal, es spielt nicht wirklich eine Rolle. Es spielt auch keine Rolle welches Alter Du hast, ob jünger oder älter als ich, wenn man sich so super versteht sind solche Dinge vollkommen nebensächlich.

Mit Dir kann ich über alles reden, egal was es ist, Du lachst nie, das ist nicht immer selbstverständlich. Du gibst so viel ohne was zu verlangen, aber ich gebe es Dir gerne zurück, manch einer könnte von Dir lernen der nichts anderes kann als nur Nehmen aber nicht Geben!
Ich hab andere Freundschaften erlebt, von denen ich dachte es ist das gelbe vom Ei, aber schlussendlich war es nichts als Schall und Rauch, einseitig und halbherzig.

Aber Du bist anders!

Du bist mutig
Du bist witzig
Du bist schlau
Du bist nett
Du bist cool
Du bist hilfsbereit
Du bist ehrlich
Du bist eine tolle Person
Du bist besser als Du denkst
Du bist eine super Freundin
Du bist da wenn man Dich braucht
Du bist so natürlich
Du bist echt
Du bist Du und genau das macht es aus!

Als ich anfing vom Thema Wombtwin zu reden hast Du mir konzentriert zugehört, Fragen gestellt aber kein einziges Mal an meinen Worten gezweifelt. Du hast es nicht hinterfragt, nicht nach Gegenargumenten gesucht, sondern einfach so akzeptiert.
Du hast mich aufgebaut wenn ich mich wieder mal so leer gefühlt habe, so halbiert und unvollständig, Du warst Da wenn ich traurig war und hast es meist irgendwie geschafft mich zum lachen zu bringen oder zu motivieren.

Wenn du nichts von mir hörst oder liest, dann machst Du Dir Sorgen und setzt alle Hebel in Bewegung um herauszufinden was los ist, auch das ist neu für mich, weil ich das bisher so nicht kannte und genau für das mag ich dich!

Danke dass Du mich so gut verstehst
Danke dass Du da bist
Danke dass Du mich zum lachen bringst
Danke dass Du meine Freundin bist
Danke dass Du so ehrlich und direkt bist


DANKE!


Und sorry dass Du wohl manchmal etwas meinen Zwilling vertreten musst aber Du machst es toll!

Donnerstag, 24. März 2011

Healing Path

Für Leute, die sich nicht sicher sind, wie sie mit ihrem Zwillingsverlust umgehen sollen bzw. wie sie davon heilen sollen, ist der sogenannte 'Healing Path' eine gute Möglichkeit, dabei geführt zu werden. Es ist ein Dokument, das man auf Althea Haytons Seite bekommen kann. Es ist auf Englisch.

Wenn man es durcharbeitet, kann man herausfinden, wie genau man das Leben seines Zwillings in sein eigenes integriert hat. Was zu einem selbst gehört, und was nicht. Außerdem lernt man, zu erkennen, wann man sich im 'schwarzen Loch', ein Kompromierungszustand für den Tod des Zwillings, befindet und mit der Zeit auch, dort wieder hinauszukommen.

Natürlich ist es nur eine Anleitung und die eigentliche Arbeit macht man selber. Ich finde aber, es ist ein guter Leidfaden, sozusagen eine Landkarte im großen, unübersichtlichen Land des vorgeburtlichen Zwillingsverlusts.

Donnerstag, 17. Februar 2011

'Leben' und 'Tod' sind Zwillinge

So ein starkes Auf und Ab, wie ich es erlebe, ist besser als jede Achterbahnfahrt.
Den einen Tag bin ich down, müde und depressiv, will alles nur beenden und aufgeben. Dann schaffe ich es, meistens mit Hilfe von Freunden (danke Rina^^) oder webseiten über wombtwin survivor, mich aus der Krise zu ziehen und zu überzeugen, dass es weitergehen wird.
Und am nächsten Tag fängt alles wieder von Vorne an, und das Leben kommt mir wie ein Kampf vor, den ich sowieso nicht gewinnen kann.
In vielen Situationen hilft es mir, mir vorzustellen, dass mein Zwilling da ist und was sie sagen würde. Oder einfach mit ihr zu reden, ganz selbstverständlich wie sonst nichts. Und daran zu denken, dass niemand an ihrem Tod Schuld ist; sie weder mich verlassen hat noch ich ihr den Platz weggenommen habe.
Das ist echt ein Lernprozess, aber immerhin erkenne ich Fortschritte, anstatt wie viele Jahre lang nur im Dunkeln umher zu irren.

Samstag, 5. Februar 2011

Friedhofsbesuch bei meinem Grossvater

Letzte Woche ging ich nach langem wieder einmal auf den Friedhof zum Grab meiner Grosseltern.

Schon während der Fahrt war es ein komisches Gefühl und je näher der Bus der Haltestelle kam wo ich rausmusste umso schlechter ging es mir. Ich hatte Mühe meine Tränen zurückzuhalten, ich vermisse zwar meinen Grossvater sehr, aber es ist jetzt nicht so dass ich jeden Tag an ihn denken würde, daher hat mich diese extreme Trauer selber ziemlich überrascht.

Auf dem Friedhof beim Grab angekommen erzählte ich meinen Grosseltern, vorallem meinem Grossvater zuerst so wie es uns allen geht, damit er auf dem Laufenden ist. Die Gefühle überrollten mich irgendwie, ich bekam eine Wut im Bauch, klar habe ich mich mit meiner Grossmutter nicht immer verstanden und sie hat meinen Grossvater manchmal recht unterdrückt, aber ich glaube diese Wut hatte auch da einen anderen Grund im Hintergrund, den Hintergrund des Zwillings.

Bei meinem Zwillingsbruder Bruno, habe ich keinen Platz wo ich hingehen kann, einen Platz wo er "ist", wo man trauern kann, mal Blumen hinstellen oder sowas.
Ich denke in diesem Augenblick am Grab vermischten sich die Gefühle, sie überschnitten sich. In dem Moment begriff ich das noch nicht so klar, aber ich habe ziemlich klare Worte gesprochen, meine Grossmutter ziemlich zu Unrecht stark kritisiert, dabei konnte sie für ihre Art doch auch nicht viel dafür.

Auf dem Heimweg bekam ich dann plötzlich ein schlechtes Gewissen und war selber erstaunt wie heftig ich auf dem Friedhof reagiert habe und was da alles rausgekommen ist und ich stellte plötzlich fest, dass mir ein Platz fehlte, wo ich Bruno "besuchen" konnte, dass es für mich keinen Ort gab wo ich dafür hinkonnte.

Ich beschloss mir irgendwo einen Platz auszusuchen wo ich hinkann wenn ich traurig bin, wo ich mich Bruno näher fühle, mit ihm reden kann, alleine sein kann. Irgendwo an einem Ort, einer Stelle wo es ihm auch gefallen hätte.

Klar kann ich mit Bruno eigentlich überall reden, auch zuhause in den eigenen 4 Wänden, oder draussen, aber trotzdem habe ich irgendwie das Bedürfnis noch so eine spezielle Stelle zu haben.

Sonntag, 30. Januar 2011

Identitätsstörung bei Zwillingen

Im Normalfall hat ein Mensch ein klares Identitätsgefühl. Aber was ist, wenn die Entwicklung der Identität gestört wird, und zwar ganz zu Beginn der Entwicklung im Mutterleib? Was, wenn Folgendes passiert: das Leben beginnt und dort sind zwei (oder mehrere) Embryos im Bauch, die sich sehr stark miteinander identifizieren, unter Umständen sogar aus der gleichen Eizelle entstanden sind. Sie sehen sich zusammen als Ganzes. Bei natürlicher Entwicklung werden sie während ihres Lebens mehrere Phasen der Individualisierung durchmachen, in denen sie lernen, dass sie auch einzeln ein Ganzes darstellen, eine vom anderen unabhängige Person sind. Das ist ihre Identität und diese besteht innerhalb ihrer gemeinsamen Zwillingsidentität, denn trotzdem werden sie immer ein Teil des anderen sein (das Konzept der Zwillingsidentität habe ich von http://www.tweelingalleen.nl/).

Doch wenn dieser Entwicklung etwas in den Weg kommt, gibt es Komplikationen. Wenn ein Zwilling im Mutterleib stirbt, kann der Überlebende nicht in seine eigene Identität hineinwachsen, weil er an dem Anderen und der gemeinsamen Zwillingsidentität (‚Zwillingsband’) festhält. Das ist eine ganz normale Reaktion.

Der Schock der Trennung ist doppelt schlimm für den Embryo oder Fötus: einmal verliert er sein Geschwisterchen, und zusätzlich weiß er nicht, welche der entstandenen Identitäten zu ihm gehört.

Außerdem kann er in den meisten Fällen auch nicht die Zwillingsidentität ausleben, da er nicht weiß, dass er ein Zwilling ist oder der Tatsache, mal ein Zwillingsgeschwister gehabt zu haben, keine Bedeutung beimisst bzw. keine Bestätigung dieser Bedeutung in seinem Umfeld findet.

Ich kann jetzt nur aus meiner Wahrnehmung schreiben, und die bezieht sich auf eineiige Zwillinge. Ich glaube zwar, dass bei Mutterleibs-Zwillingen bezüglich des Identitätsgefühls kein so großer Unterschied besteht, aber wenn doch, bin ich ganz gespannt darauf, Meinungen von Anderen dazu zu hören!

Wo auch immer Identität angesiedelt ist, Gehirn, DNA oder Bewusstsein, sie ist sehr wichtig für das Leben. Wenn man nicht weiß, wer man ist, steht man nur unsicher im Leben und ist ständig auf der Suche. Nach sich selbst, nach seinem Zwilling…

In dem Beispiel meiner Geschichte nehme ich Händigkeit als Anzeiger der Identitäten, weil es das offensichtlichste Beispiel war. Im Allgemeinen gibt es natürlich noch viele andere Komponenten. Aber die meisten Energien, die man für den Zwilling auslebt, sind unsichtbar und können nicht so eindeutig bestimmt werden.

Wenn man entdeckt, dass man im Mutterleib einen Zwilling hatte, ist man erleichtert, traurig und vieles lässt sich endlich erklären. So war da auch bei mir. Aber nach einer gewissen Zeit wurde mir klar, dass ich nicht vorankomme, sondern noch in Allem feststecke, was mir das Leben schwer machte.

Den größten Teil meiner Zeit war ich einfach nur verwirrt. Ein klares Gefühl von ‚das bin ich’ kannte ich nicht, aber ich ahnte, dass mir so was zustand.

Anstatt einer Identität besaß ich also nur Verwirrung. Vom heutigen Standpunkt aus würde ich sagen, dass die Identität meiner Zwillingsschwester einfach zu sehr mit meiner eigenen verwachsen war. Ich habe sie aus Unwissen angenommen, ich wusste weder von ihrer Existenz, noch von unserer Zwillingsschaft und habe mich mit all diesen unerkannten Faktoren als eine einzelne Person betrachtet. Auch, als ich von allem wusste, wusste ich nicht, was ich damit anfangen sollte. Ich habe alles nur über Intuition herausgefunden und war auf mich alleine gestellt, was die Suche nach Heilung betraf.

Und als ich von meiner Linkshändigkeit erfuhr, betrachtete ich das zunächst als vollkommen unabhängig vom Zwillingsthema. Das war es in gewisser Weise auch, während es andererseits mit dem, was ich bin, zu tun hat und man dies nun mal nicht vom Zwillingsthema trennen kann. Aber von Anfang an.

In den ersten Tagen, in denen ich bewusst und mit dem Wissen meiner Linkshändigkeit (vorher hatte ich mich als ‚Beidhänder’ betrachtet) schreiben geübt habe, kamen riesige Stücke der Erkenntnis und meiner verschütteten Identität (Selbst-Sicherheit) zu mir. In der darauf folgenden Zeit hatte ich viel damit zu tun, schreiben zu üben und die psychologischen Folgen des falschen Handgebrauchs zu verarbeiten. Da es hier aber um Zwillinge geht, stelle ich nun meine Theorie vor: Die Rechtshändigkeit gehörte zur Identität meiner Zwillingsschwester.

Erst seit kurzem kann ich uns auseinander halten. Dazu waren viel Zeit und ein paar schmerzliche Trennungsmomente notwendig, die mich zu jedem früheren Zeitpunkt nur zurück in Depressionen gestürzt hätten.

Während der gesamten Zeit meiner ‚Rückschulung’ auf die linke Hand hatte ich zwischendurch immer wieder das Gefühl, mit rechts schreiben zu müssen. Ich wusste nicht, woher das kam, denn mein Körper hat mir sehr eindeutige Signale gegeben, dass Rechtsschreiben schädlich für mich ist. Ich denke, es war mein Unterbewusstsein, das weiterhin die Identität meiner Schwester ausleben und nicht loslassen wollte.

Worauf ich hinaus will, ist Folgendes: Die Identität (oder, wem es besser passt: die Energie) des gestorbenen Zwillings hängt am Überlebenden, und dies bereitet Leid und Schmerzen, denn es ist etwas, was nicht hierhin gehört und oft als Todeswunsch/-drang wahrgenommen wird.

Wer einen Zwilling im Mutterleib hatte, ist auch als Alleingeborener hier und jetzt ein Zwilling. Und was denkt ihr, wo der Gestorbene hingegangen ist? Genau, nirgendwohin, er oder sie guckt euch beim Lesen übe die Schulter. Wenn ihr ganz leise seid, könnte ihr ihn zustimmen hören. In den meisten Fällen ist es so, dass der gestorbene Zwilling auch etwas gegen die Trennung hat oder eventuell ängstlich ist. Er will von euch beachtet werden. Ich weiß nicht, was ihr tun müsst, um die Verbundenheit und das Einssein mit eurem Zwilling zu fühlen, aber was auch immer es ist, tut es. Wenn ihr es nicht wisst, findet es heraus und tut es. Der Zugang zu diesen Gefühlen ist wichtig für die Heilung und letztendlich Auftrennung der Identitäten, ohne die höhere Verbundenheit zu verlieren.

Um es an meinem Beispiel zu veranschaulichen: Ich habe jahrelang gelitten, weil ich nur die Trennung vor Augen hatte. Dann habe ich ein Buch über voneinander abhängige Zwillinge gelesen, die nur miteinander kommunizieren konnten, und habe realisiert: Ich bin genauso. Besser gesagt, wir sind genauso. Wir sind gar nicht so getrennt, wie ich immer denke.

Auf einmal habe ich die geistige Abhängigkeit erkannt und hatte plötzlich einen Wunsch, den ich vorher noch nie hatte. Ich wollte unabhängig von ihr sein, alleine leben und vollkommen wissen, wer ich bin.

Dazu ist ein Prozess der Ablösung nötig. An dieser Stelle finden manche ein Abschiedsritual vielleicht passend und stimmig. Das ist jeder anders und muss das für sich wissen.

Für mich passt das nicht. Trennung ‚muss’ zwar sein, in dem Sinne, dass ich ihr Leben loslasse und akzeptiere, dass ich für immer alleine bin. Da dürfen ruhig Tränen fließen. Aber genauso muss ich einsehen, dass sie geistig immer für mich da sein wird und ich so Zugang zu dem Gefühl des Ganzseins habe. Das Ziel ist es, dass ich mich an sie erinnern kann, ohne dass es weh tut und dass ich längere Zeit nicht an sie denke, weil ich so von meinem eigenen Leben eingenommen bin. Meine eigene Identität zu leben, die eingebunden ist in unsere Zwillingsidentität, während ich meine Schwester dort sein lassen kann, wo sie ist und dabei das Vertrauen habe, dass es ihr dort gut geht und wir uns eines Tages wieder sehen werden.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Noch eine Vorstellung

Hallo, ich bin Nini und werde in Zukunft auch ein paar Beiträge hier zusteuern. Ich kam so zu dem Thema:

Als ich 21 Jahre alt war, ist mir das Buch ‚Das Drama im Mutterleib’ in die Hände gekommen. Es war wirklich unglaublich, wie mein Körper auf alles, was darin stand, reagiert hat, während ich gleichzeitig das alles nicht glauben konnte und mich gefragt habe, warum ich denn bloß weine.

Aber es gab keine Zweifel daran, dass ich vom ‚vanishing twin syndrome’ betroffen war. Es war mir selber so klar und logisch, dass ich es sofort meiner Familie erzählt habe und dachte, die werden die Augen aufreißen und sagen „Woah, ja, das erklärt alles, wie du dich verhältst, warum du so bist und wir dich nie verstanden haben!“

Leider haben sie das nicht gesagt, sondern mir nicht geglaubt. Was mich in weitere Abgründe gestürzt hat.

Es folgten zwei Jahre, in denen ich trotz diesem Wissen eher schlecht als recht mit dem Leben zurecht kam. Ich steckte fest, obwohl ich so gerne weitergekommen wäre und obwohl ich alles tat, um den Zwillingsverlust zu integrieren. Dazu kam aber, dass ich mir nie sicher war, wie genau dieser ausgesehen hat. Es herrschte genauso viel Verwirrung wie zuvor.

Als ich dann herausgefunden habe, dass ich umgeschult bin, was bedeutet, dass ich als Kind durch Anpassung mit der schwachen, rechten Hand schreiben gelernt hatte und eigentlich Linkshänder bin, wurden mir einmal mehr die Augen geöffnet.

Ich habe angefangen, den nicht immer leichten Weg der Rückschulung zu gehen und im Laufe der folgenden Jahre hat sich viel mehr geklärt. Mein Selbstbewusstsein wurde besser und ich konnte mir selbst und dem Leben endlich vertrauen.

Dies hat zwar nicht direkt was mit dem verlorenen Zwilling zu tun, aber es ist ein bedeutender Faktor auf meinem Weg und ohne das wäre ich jetzt nicht hier. Ich erwähne das außerdem, weil der Schätzung nach das Verhältnis von Rechts- und Linkshändern eins zu eins ist und ich denke, besonders Alleingeborene sind anfällig dafür, sich an die Umgebung anzupassen, ohne zu hinterfragen, ob es für sie persönlich anders besser wäre. Ich selber wollte nämlich nie, um gar keinen Preis auffallen und anders sein. Und: Umgeschult zu leben bedeutet, sich selbst im Weg zu stehen und das Leben zu verhindern, und das ist genau das, was Alleingeborene tun.

Nachdem ich auf diesem Gebiet ein bisschen Heilung erfahren habe, konnte ich auch mein vorgeburtliches Leben besser ‚sortieren’. Ich habe gemerkt, dass die männlichen Energien, die ich immer mal wieder für Mehrlingsbrüder gehalten hatte, andere Brüder gewesen wären. Den Mutterleib selbst habe ich mir mit nur einer Schwester geteilt, und seit ich das so fühle, kann ich das damit verbundene Drama immer besser identifizieren und auch loslassen. Ich sage nicht, dass das von heute auf morgen geht, aber es ist doch ein Fortschritt zu spüren, wohingegen ich die letzten Jahre nur auf der Stelle getreten bin.

Das ist meine persönliche Geschichte und ich möchte nun mithelfen, das Wissen um das ‚Vanishing Twin Syndrome’ zu verbreiten, mich mit Betroffenen austauschen und ihnen helfen, insoweit mir das möglich ist. (-: